Gerrit Rietveld im Vitra-Museum

Als der gelernte Schreiner Gerrit Rietveld (1888 - 1964) seinen legendären, scheinbar unbequemen aber schönen Stuhl gestaltete, war der Erste Weltkrieg gerade zu Ende. Über dem Trümmerhaufen Europa lag Revolution in der Luft – nicht nur in der Politik. In den im Krieg neutralen Niederlanden fanden sich 1917 Künstler und Architekten, darunter auch Piet Mondrian, in der Gruppe «De Stijl» zusammen, um die Welt neu zu gestalten. Schon früher hatte Gerrit Rietveld begonnen, zum eigenen Vergnügen Möbel zu entwerfen. Provokant verdeckte er die Verschraubungen nicht. Er unterstützte den Maler Theo Van Doesburg, den Häuptling der Bewegung, auf der Suche nach einer radikal neuen Art der Innendekoration. Und er galt spätestens ab 1924, als er mit und für Truus Schöder in Utrecht ein Haus baute, als der führende Designer der Gruppe. Seinen Durchbruch als international beachteter Architekt erlebte er allerdings erst in den fünfziger Jahren. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet Gerrit Rietveld in Zusammenarbeit mit dem Central Museum in Utrecht vom 17. Mai bis zum 16. September 2012 eine umfassende Ausstellung. Zu den rund 320 Exponaten gehören neben Möbeln auch Bilder, Fotografien und Modelle, sowie Filme und bedeutende Werke von Zeitgenossen (Theo Van Doesburg, Bart van der Leck, Marcel Breuer, Le Corbusier). Die Kuratorinnen Amelie Znidaric und Laura Hampesch (Vitra Design Museum) sowie Ida van Zijl (Centraal Museum, Utrecht) zeigen, wie aktuell das Werk des Holländers geblieben ist: Rietveld war ein Pionier der Selbstbau-Möbel und seine städtebaulichen Vorstellungen wurzelten in der Überzeugung, dass sie im Dienst der Gesellschaft stehen müssen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Ida van Zijl: Gerrit Rietveld – Die Revolution des Raums.
Eine ausführliche Besprechung der Ausstellung und des Katalogs gibt es
hier.