Alberto Giacometti

Francis Bacon und Alberto Giacometti in der Fondation Beyeler

Buchumschlag
Die Gegensätze könnten nicht grösser sein: Hier der Bergeller Bergler Alberto Giacometti (1901-1966), Sohn einer Künstlerfamilie, dort Francis Bacon (1909 – 1992) in Dublin geboren, Sohn eines gewalttätigen ehemaligen Berufsoffiziers. Vom 29. April bis zum 2. September 2018 hängen und stehen 100 ihrer Werke in neun Räumen der Fondation Beyeler in Riehen und warten darauf, dass das Publikum die «erstaunlichen Gemeinsamkeiten» entdeckt, denen die Kuratorin Catherine Grenier, Direktorin der Fondation Giacometti in Paris, und die Kuratoren Ulf Küster von der Fondation Beyeler, und Michael Peppiatt, Bacon-Kenner und Freund des Künstlers, auf die Spur gekommen sind. Bei einem Rundgang durch die neun, je einem Thema gewidmeten Räume, werden tatsächlich einige Gemeinsamkeiten sichtbar, doch das Gegensätzliche wiegt schwerer. Gemeinsam war den beiden Künstlern zum Beispiel, dass sie von der Malerin Isabel Rawsthorne fasziniert waren. Gemeinsam war beiden auch, dass sie sich mit der Darstellung von Figuren im Raum befassten und sich dabei käfigartiger Gebilde bedienten. Und eine weitere Gemeinsamkeit war ihre Vorliebe für die Abbildung des menschlichen Gesichts, wobei sie sich beide weniger der Abbildung der Natur als vielmehr der Darstellung des seelischen Befindens verschrieben. In vielen anderen Belangen waren die Gegensätze dagegen unüberbrückbar. Giacometti zeigte seine Modelle – oft Menschen, die ihm nahestanden – immer in würdevoller Menschlichkeit, während Bacon in die abgebildeten Personen seine eigene Zerrissenheit und Lebensqual integrierte. Unterschiedlich war natürlich auch die bevorzugte Technik: Giacometti war in erster Linie Bildhauer, während Bacon ganz der Malerei zugewandt ist. Bacon malte farbig, oft leuchtend farbig, während Giacomettis Werk von Grau- und Brauntönen dominiert wird - auch seine Malerei! Es ist unser erster Eindruck, noch nicht das letzte Wort: Auf die Art, wie Bacons und Giacomettis Werke einander gegenüber gestellt werden, könnte man das Œuvre vieler anderer Künstlerinnen und Künstler konfrontieren und dabei Gemeinsamkeiten sichtbar machen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass auf die Ausstellung nicht ein gemeinsames Plakat – zum Beispiel mit dem Motiv des grossartig gestalteten Katalog-Umschlags – hinweist, sondern zwei. Dabei wird nur in der Schriftzeile eine Gemeinschaftsschau affichiert – «Giacometti Bacon» zeigt die Gipsversion des «Homme qui marche II» und «Bacon Giacometti» das «Portrait of Michel Leiris». Aber sicher ist allemal: Wer nicht auf die behaupteten Gemeinsamkeiten fokussiert, sondern eine reich bestückte und klug aufgebaute Doppel-Ausstellung erwartet, kommt auf jeden Fall auf seine Rechnung. Vor allem die Fülle der Werke Alberto Giacomettis aus der Pariser Fondation Giacometti ist überwältigend. Und auch die Möglichkeit, mehrere von Bacons Tryptichons am gleichen Ort zu sehen, ist einzigartig.

Eine ausführliche Besprechung der Ausstellung und eine Würdigung der begleitenden Publikation folgen demnächst
hier.

Zur Ausstellung erschien eine reich illustrierte Publikation in je einer deutschen und englischen Ausgabe.
Grenier, C., Küster, U., Peppiatt M. (Hrsg. für die Fondation Beyeler): Bacon-Giacometti. Riehen/Berlin 2018 (Fondation Beyeler/Hatje Cantz Verlag), 204 Seiten, € 58.00/CHF 62.50
Illustration: Umschlag des Ausstellungskatalogs.

Surrealismus in Paris

So breit und reichhaltig sind die Surrealisten bisher in der Schweiz nie präsentiert worden, wie jetzt (vom 2. Oktober 2011 bis zum 29. Januar 2012) in der Fondation Beyeler. Kurator Philippe Büttner, der sich mit dieser fulminanten Schau von seiner langjährigen Riehener Wirkungsstätte Richtung Zürcher Kunsthaus verabschiedet, zeigt die ganze Fülle der von André Breton 1924 angestossenen multimedialen Kulturrevolution. Als sich die Vorgänger-Bewegung Dadaismus in ihrem individualistischen Protest erschöpfte, zielten die Neuerer auf die Veränderung der Gesellschaft: Literatur und Bildende Künste sollten mit Hilfe des Unbewussten die Kreativität befreien und ein modernes Lebensgefühl entwickeln. Kurator Büttner legt seiner Ausstellung das Konzept einer Schau zugrunde, die Breton, Eluard und Marcel Duchamp 1938 in der Pariser Galerie des Beaux-Arts veranstaltet hatten. Sie nannten Sie «La Ville surréaliste», weil sie um 13, von verschiedenen Künstlern gestalteten Schaufensterpuppen gruppiert war, denen teils erfundene, teils echte Strassennamen zugeordnet waren. Die Besucher in Riehen werden denselben Strassenschildern begegnen, die je einem der 14 Räume zugeordnet sind. Es ist verdienstvoll, dass sich der Ausstellungsmacher nicht darauf beschränkte, herausragende Werke der bekanntesten Surrealisten darzubieten, sondern sich bemüht, einen Eindruck von der Breite der Bewegung zu vermitteln. Zwischen Gemälden und Skulpturen der «Bande à Breton» – herausragend: «Capricorne» von Max Ernst zum Auftakt im Foyer, «Peinture» von Joan Miró und «Judith» von Francis Picabia – sind zahlreiche Werke von Künstlern zu entdecken, die heute weniger bekannt sind. Das gilt in besonderem Mass für Hans Bellmer, dessen «Poupée» zu Recht als «vielleicht bedeutendstes surrealistisches Objekt» bezeichnet wird. Aber auch für den Basler Kurt Seilgman (1900 - 1962), der 1939 in die USA emigrierte und dort bekannter ist als in seiner Heimat. 1950 malte er ein Fasnachtsbild in surrealistischer Manier. Eine ausführliche Besprechung der Ausstellung und des Katalogs ist hier zu finden.

Louise Bourgeois bei Beyeler

«Eine konzentrierte Auswahl» nennt die Fondation Beyeler die 20 Werke, die sie, inszeniert von Kurator Wulf Küster, als Hommage zum 100. Geburtstag der franko-amerikanischen Künstlerin Louise Bourgeois (1911 bis 2010) vom 3.9.2011 bis zum 8.1.2012 zeigt. Teils inmitten von Werken anderer Künstler aus der Sammlung der Fondation in Riehen, teils in eigenen Räumen belegen skulpturale und zeichnerische Arbeiten die ungewöhnliche Breite ihres Schaffens, das die Klassische Moderne mit der Gegenwartskunst verbindet. Den Anfang und das Ende der Werkschau bilden zwei herausragende Werke: im Park, von Bäumen umgeben, die monumentale Riesenspinne «Maman» aus dem Jahr 1999 und im Untergeschoss, im Innersten des Museumsbaus, der käfigförmige Seelen-Parcours «Passage dangereux» von 1997. Besonders stolz sind die Ausstellungsmacher, dass sie die Erlaubnis erhielten, den Zyklus «A l’infini» aus dem Jahr 2008, zum ersten Mal öffentlich zu zeigen. Die 14 grossformatigen Radierungen kann als eine Art Selbstporträt der Künstlerin gelesen werden, das sich aus Bruchstücken ihres Unbewussten zusammensetzt. Eine ausführliche Besprechung der Ausstellung steht hier.

Kunst-Clan Giacometti

«Giacometti» heisst (vom 31. Mai bis 11. Oktober 2009) kurz und bündig der Titel der Sommer-Ausstellung in der Fondation Beyeler. Anhand von über 150 Werken belegt die Schau die Einzigartigkeit und die enge künstlerische Verbundenheit des Bergeller Clans der Giacomettis. Die Familienmitglieder sassen einander nicht nur oft und gern Modell, sondern sie halfen einander auch, künstlerische Probleme zu lösen. Besonders eng war der Austausch zwischen Vater Giovanni Giacometti und seinem Sohn Alberto. Die umfassende Werkschau von Alberto Giacomettis Auseinandersetzung mit der Darstellung der Bewegung in Raum und Zeit kommt in der Architektur von Renzo Pianos Museumsbau in grossartiger Weise zur Geltung. Mehr...